Oper und Luspieldrama „Raucher-Tango“

 

 

Raucher-Tango

Oper und Luspieldrama in 4 Akten

Text und Musik: Urs Brodmann

 

                                          

 

Raucher-Tango ist eine Oper wie auch ein Theaterstück, die auf eine unkonventionelle Art uns die menschlichen Schwächen und deren nicht ganz unumstrittenen Auswüchse aufzeigen möchte.

Der Raucher, der Protagonist der Handlung, ein Zigarettenfabrikant, ein leidenschaftlicher Zigarrenraucher und Geniesser, lebt und arbeitet in einem Land, wo seit dem 1. Januar auf Grund eines neuen Gesetzes praktisch absolutes Rauchverbot herrscht, das heisst, wer noch rauchen möchte, kann das nur noch im Privatflugzeug ab 13.472 Metern aufwärts oder in einem Schaltjahr zwischen dem 17. November und dem 29. Februar, schwimmend oder tauchend, mindestens aber 34 Meter vom Ufer entfernt. Bei Verstoss gegen dieses Gesetz wandern alle im Land weiter rauchenden Menschen ins Gefängnis und wenn sie nach einem 7-monatigen Freiheitsentzug herauskommen, dann aber zum 2. Mal wieder beim Rauchen erwischt werden, so verbannt man sie endgültig auf die Raucherinsel.

Der Raucher, der das Rauchverbot für einen totalen Unsinn hält, raucht in seinen eigenen vier Wänden zu Hause wie auch im Büro seiner Firma weiter. Er wird aber von seiner Frau, dem Pfarrer, seinen Angestellten und Mietern, die alle von diesem neuen Gesetz fanatisch begeistert sind, überwacht, beschimpft, bedroht und schlussendlich bei der Staatspolizei angezeigt und verhaftet. Infolge der Einführung dieser Diktatur gegen das Rauchen funktioniert das Verständnis zwischen den Rauchern und Nichtrauchern in diesem Land nicht mehr.

Der Raucher sucht als letzte Raucherbastion das Bordell auf, wo er noch insgeheim rauchen darf und Anne kennen lernt. Nach einer Bordellrazzia verbannt man ihn und Anne auf die Raucherinsel, wo während ihrer Hochzeitsfeier die Geschichte einen unerwarteten Verlauf nimmt.

Es braucht also keine grosse Fantasie, um sich vorzustellen zu können, dass diese ungewöhnliche Liebesgeschichte viel Stoff für Humor, Erotik wie auch Dramatik bietet.

 

Im Zusammenhang mit der Oper bzw. mit dem Theaterstück will ich auch darauf hinweisen, wie wichtig das Zigarrenrauchen in früheren Zeiten war, wo es noch vieles zu entdecken und zu erfinden gab. Die emotionale Denk- und Handlungsweise, wie es für unsere Vorfahren ganz normal war und wo berühmte Politiker, Künstler, Erfinder, Philosophen und Geniesser Zigarren rauchend unsere Welt kreativ bereichert, verschönert und vorangebracht haben und kein Mensch am Rauchen Anstoss genommen hat, gehört heute der Vergangenheit an. Wie man weiss, betrieb Sigmund Freud seine Traumforschung mit seinen auf der Couch liegenden Patientinnen ganz selbstverständlich Zigarre rauchend. Viele Forscher hätten die Geduld für ihre tödlich langwierigen Forschungsarbeiten nicht aufbringen können ohne das beruhigende Zigarrenrauchen. Auch bin ich überzeugt, dass Thomas Mann, um seine grossen Romane zu schreiben, den genussbringenden Beruhigungseffekt seiner Zigarren brauchte.

Um Thomas Mann auch noch zu zitieren: „Aber ein Tag ohne Tabak, das wäre für mich der Gipfel der Schalheit, ein vollständig öder und reizloser Tag, und wenn ich mir morgens sagen müsste: heut gibt’s nichts zu rauchen – ich glaube, ich fände den Mut gar nicht, aufzustehen, wahrhaftig, ich bliebe liegen.“

Und Franz Liszt: „Eine gute Zigarre schließt die Tür vor den Gemeinheiten des Lebens.“

Man könnte endlos weitere Beispiele nennen, wo die Zigarren als Inspirationsquelle für grosse Ideen, Lebensqualität und unendlich viel Lebensfreude dienten.

Mit dieser aktuellen Bühnenkomposition möchte ich mich mit einem weinenden und einem lachenden Auge von der schönen alten Zeit, wo noch grosse Erfindungen und Kunstwerke, begleitet von viel Zigarrenrauch, entstanden sind, verabschieden und diese posthum und nostalgisch in Erinnerung halten und ich hoffe, dass mir das mit Raucher-Tango gelungen ist.

Urs Brodmann

 

Urs Brodmann